Woher soll die Lösung kommen, wenn die Regierungen korrupt und die Massen degeneriert und erschlafft sind? Die Antwort ist einfach: Nur wenn genug Menschen den Mut haben, sich entschlossen für das Gemeinwohl einzusetzen, kann verhindert werden, daß die Zivilisation gegen die Wand fährt. Dies erfordert jedoch eine Zivilcourage, die nur aus einem erhabenen Menschenbild kommen kann. Es ist schön und ermutigend, daß es diese Menschen gibt, die für eine bessere, gerechtere und gesündere Welt bereit sind, auch Unannehmlichkeiten und Widerstände in Kauf zu nehmen. Danke all den guten Geistern.“...
Friedrich von Schiller

Dienstag, 24. Januar 2017

Donald Trump oder Ein fatales Mißverständnis

von Helmut Mueller

(...)

Donald Trump ou Un malentendu fatal 
Donald Trump or a fatal misunderstanding


Vorweg: Ich hatte weder mit Obama eine Freude, noch wird mir Trump eine solche bereiten wollen. Der eine wie der andere ist bloß Vertreter einer Oligarchie, deren Absichten und Ziele unverändert bleiben. Ich kann daher die Begeisterung über eine Präsidentschaft Trump, wie sie bei vielen zum Ausdruck kommt, in keiner Weise teilen. Nirgendwo mehr als in der Politik wird wieder einmal bestätigt, daß  Dinge nicht für das gelten, was sie sind, sondern für das, was sie scheinen. Und damit komme ich zu meinen Ausführungen:

König oder Narr? Nicht selten in der Geschichte waren die beiden Wörter deckungsgleich. Bei Horaz heißt es: „Das wahnsinnige Beginnen der  Könige büßen die Völker.“ Äußerst selten, daß man sagen konnte, einer sei als Herrscher ein besserer Mensch geworden als er vorher war. Wie auch nicht anzunehmen ist, daß, wenn einer zu Beginn zu groß auf die Pauke haut, am Ende als großer Dirigent endet. Im Augenblick spricht nichts, aber schon gar nichts dafür, daß Trump ein großer Präsident werden könnte. Manche halten es sogar für möglich, daß er nicht die volle Amtszeit durchhalten wird.

Trump ist, mit Blick in seine Vergangenheit, möglicherweise erpressbar, zudem ein Mann der starken Widersprüche. Daher sollte man klugerweise keine zu großen Erwartungen in ihn setzen. Das betrifft besonders  die US-Innenpolitik, in der er sich stark verheddern könnte..Mißt man Trump an seiner Vita  als Unternehmer und jetzt an den Mitgliedern seiner Regierung, dann muß angenommen werden, daß die Interessen des Volkes wie üblich jenen des „big business“ zum Opfer fallen werden. Außenpolitisch könnte er sich, falls dann innenpolitisch genötigt, sogar in Kraftmeierei versuchen. Da bieten sich einige Feindbilder an.

Sollte  ein bereits getriebener Trump jedenfalls so regieren wie er seine Geschäfte geführt hat, bleibt uns und den US-Amerikanern immerhin ein Trost: Auch in einem pseudodemokratischen System wie dem amerikanischen werden die Narren häufiger ausgewechselt als in jedem anderen. Jetzt aber müssen wir erst einmal mit Trumps aus dem Bauch heraus geführten Polit-„Show“ leben. Denn mit Trump ist ja anscheinend kein Mann mit schlüssigem Konzept, aber sicher auch kein Revolutionär ins Weiße Haus eingezogen. Nicht einmal ein Putsch hat stattgefunden, obwohl man den Anschein erwecken möchte, ein solcher  habe stattgefunden.

Innerhalb des „Establishments“ wurden bloß die Karten neu gemischt, die Gesichter ausgetauscht. Und wie in jedem Spiel gab es eben Gewinner und Verlierer. Doch die Spielmacher, die nicht nur in den USA weiter das Sagen haben, sind dieselben, die für alle großen Probleme amerika-und weltweit hauptverantwortlich sind und die jetzt vor allem den Groll der kleinen Leute im eigenen Land fürchten, mit Trump aber doch noch den Politikdarsteller gefunden zu haben glauben, der mit vollmundigem, zum Teil albernem Gerede  („Wir geben die Macht zurück, an euch, das Volk.“) ) Bürger-Unmut neutralisieren soll.

Eine Weile zumindest kann das gelingen. Doch währenddessen  könnten die bürgerlichen Freiheiten auch unter Trump weiter beschnitten werden. Denn die Herrschenden sind längst in einen Machtrausch geraten, und Trump wird sich da womöglich nicht ungerne mitreißen lassen. So sehen es inzwischen viele US-Amerikaner. Bereits vor mehr als zehn Jahren meinte Norman Mailer, Amerika befände sich in einer prätotalitären Situation. Mit dieser Einschätzung scheint  der inzwischen verstorbene Schriftsteller erst recht aus heutiger Sicht goldrichtig gelegen zu sein.
Trumps Amerikabild ist im Übrigen von einer unüberbietbaren Arroganz geprägt, die in ihren Ausuferungen an die damaligen Lobpreisungen der alten, realitätsfremden Männer im Kreml erinnert. Und was soll man von seinen Tiraden gegen den Iran halten? Man muß wirklich am Verstand des Donald Trump zweifeln, wenn er sich von der Israel-Lobby in so ein idiotisches  Iran-„Bashing“ hinein hetzen läßt. Mit seinem derselben Lobby nahestehenden Schwiegersohn als Chefberater darf diesbezüglich einiges mehr erwartet werden. Und dann noch die Brüskierung Chinas! Mag schon sein, daß das auch hierzulande vielen gefällt, seriöse Politik sieht aber anders aus.

Nun sind wir aber  nicht nur Zuschauer, sondern bald auch Betroffene, und viele nicht nur in deutschen Landen glauben sogar im Windschatten Trumps noch weiter nach vorne zu kommen. Gewiß, Trump hat da und dort solche Hoffnungen geweckt. Schließlich klingt es ja verlockend für national gesinnte Ohren, wenn das Bedürfnis der Menschen nach nationalen Bindungen und mehr Mit- und Selbstbestimmung angesprochen wird. Auch Protektionismus, Immigrationsskepsis, TTIP und eine europadienliche Trump-Putin-Achse kommen gut an. Letzteres ein Wunschtraum wahrscheinlich.

Was aber könnte es denn noch sein, was besonders unsere Rechtspopulisten beim Namen Trump so himmelhochjauchzend stimmt? Marine le Pen sieht gar die Geburt einer neuen Welt. Köstlich. Auch Frauke Petry verfiel in wahrscheinlich voreilige Trump-Euphorie. Sollten ihr Trump-Vertraute  etwas von einem Friedensvertrag geflüstert haben? Natürlich nicht. Kanzleraspirant Strache  wiederum  mußte bei der Krönung des neuen „Messias“, wenn auch nur als Randfigur, unbedingt dabei sein. Imagepflege in Richtung Heimat.

Alles in allem nicht etwas zu viel an Erwartungen und auch schon Huldigungen für feierlich so Dahingesagtes und einige zum Teil mißverstandene Aussagen eines jetzt schon im eigenen Lande umstrittenen US-Präsidenten? Weder wird Trump seine Truppen aus Deutschland abziehen, noch hat er die Absicht die NATO aufzulösen, noch  möchten er und seine Mannschaft ein ökonomisch zu starkes und  politisch eigenständiges Europa. Aber mehr in die Pflicht nehmen, das schon. Europa ist verwundbar, und das soll es aus US-Sicht auch so bleiben.

Und so wird sich auch unter Trump daran nichts ändern, daß US-Geheimdienste uns weiter vermehrt ausspionieren und weltweit Umstürze organisieren und finanzieren. Das alles weiß Putin natürlich, der die gewissen Anspielungen Trumps gewiß besser einzuordnen weiß als unsere diesbezüglich in Illusionen schwelgenden blauäugigen Populisten, deren merkwürdige außenpolitische Ambitionen in manchen Bereichen jenen Trumps ähneln. Sind da und dort die Drehbuchautoren und Regisseure im Hintergrund vielleicht dieselben?

Anmerkung: Wer mehr über Trump wissen möchte, dem empfehle ich das erhellende Buch „Die Akte Trump“ des Pulitzerpreisträgers David C, Johnston, erschienen 2016 im Ecowin-Verlag

Zum Thema

Donald Trump und Israel https://youtu.be/T97Bq3sQMDw

Donald Trump und CIA https://youtu.be/O97Dom8J_lI

(...)

https://helmutmueller.wordpress.com/2017/01/23/donald-trump-oder-ein-fatales-missverstaendnis/